Aus der Zeitschrift Screenguide No. 16, Jan. 2013, Seiten 16 ff. (PDF):

        grau: wird von Google.com ins Englische übersetzt;

        schwarz: wird von Google.com und Detlef Lindenthal ins Englische übersetzt (ohne Gewährleistung);

Projekte im Griff

TEXT: Ansgar Hein

Bis ein Projekt erfolgreich abgeschlossen ist, hat es zahlreiche Arbeitsstufen durchlaufen. Für Webworker gibt es spezialisierte Software-Lösungen, die dabei helfen, diesen Prozess noch einfacher und vor allem nachvollziehbar zu gestalten. Wir stellen Ihnen vier Lösungen vor, die jeweils ganz unterschiedliche Ansätze verfolgen, und sagen Ihnen, welches System für welchen Zweck am besten geeignet ist.
Genauso unterschiedlich wie die Wege zum Projektziel ist auch das Organisieren der notwendigen Einzelprozesse, Personen, Dokumente und der Korrespondenz im Projektverlauf. Während so mancher Webworker auf Office-Pakete schwört, gibt es andere, die mit Online-Lösungen arbeiten, und wieder andere, die einen Mix aus Tools verwenden. Dahinter stehen verschiedene Ansätze: Software-Lösungen zum Installieren, Cloud-Lösungen als Service oder serverbasierte Lösungen zum Selbsteinrichten. Welche Lösung für Sie die richtige ist, müssen Sie selbst entscheiden. Freelancer bevorzugen mitunter webbasierte Lösungen, da sie sie von überall und mit jedem internetfähigen Endgerät erreichen und bedienen können. Agenturen hingegen sind eher darauf bedacht, die Daten intern auf einem eigenen Server zu verwalten. Doch wie fast immer gibt es hier nicht ausschließlich Schwarz oder Weiß, sondern auch Schattierungen dazwischen.

Vom Angebot bis zur Rechnung: Idealerweise unterstützt Sie ein Projekt-Management-System (PMS) bei allem, was mit Ihrem Projekt im Zusammenhang steht. Vom Anlegen eines Kunden oder Lieferanten und entsprechender Ansprechpartner über die Erstellung und Verwaltung von Angeboten und die Projektabwicklung mit Meilensteinen, Mitarbeitern und Zeiterfassung bis hin zur Rechnungsstellung. Komplette Systeme wandeln auf dem schmalen Grat zwischen Customer-Relationship-Management (CRM) und Enterprise-Resource-Planning (ERP) und bieten zusätzliche Features, wie beispielsweise Buchhaltungs-, Auswertungs-, Bugtracking- oder E-Mail-Funktionen. Je mehr ein System leisten kann, desto komplexer ist es naturgemäß in der Bedienung – aber muss das wirklich so sein? Moderne Software-Konzepte helfen dabei, die Komplexität so gering wie möglich zu halten und den Nutzen gleichzeitig zu maximieren. Wir haben deshalb vier verschiedene Lösungen unter die Lupe genommen, die Ihnen dabei helfen können, Ihre Projekte noch effizienter umzusetzen und dabei gleichzeitig die Qualität zu steigern sowie die Nachvollziehbarkeit zu verbessern: Revolver, Troi, Basecamp und OpenProject.

OpenProject

Gratis: Unter dem Slogan „Team collaboration redesigned“ wirbt das kostenfreie Open-Source-PMS um die Gunst der Nutzer [openproject.org]. Dabei ist OpenProject keineswegs neu, sondern ein Fork des in Entwicklerkreisen bekannten Tools Redmine. Daher gibt es aktuell noch keine finale Version, die Nutzer herunterladen können.[Inzwischen, 25. 8-2013 ja; Anm. dl] In Kürze soll der Code jedoch auf GitHub zum Download und zur Weiterentwicklung bereitstehen. Gleiches gilt für Module, die bereits zum Start von OpenProject zur Verfügung stehen werden. Zweifelsohne ist das kostenlose Projekt-Management-System im Hinblick auf den Funktionsumfang eine eher technische Lösung mit Optimierungspotenzial für Design, Usability und Leistungsumfang. Allerdings deuten die Tatsache, dass die Software im Oktober 2012 erst offiziell gestartet ist, und die schnell wachsende Community darauf hin, dass hier eine Lösung heranwächst, die Potenzial hat.

Wenig Design, viel Technik: Anders als die recht modern anmutende Webseite fällt OpenProject in den Punkten Design und Bedienbarkeit deutlich hinter die Konkurrenten zurück. Zwar lassen sich alle Elemente bedienen, zum Teil sind zur Ausführung vergleichsweise simpler Funktionen aber mehrere Schritte notwendig. Das Anlegen von Firmen und Ansprechpartnern ist ebenso Bestandteil des Basispakets wie das Verwalten von Teammitgliedern. Die eigentliche Stärke von OpenProject liegt in der Abarbeitung von Projekten. Hier erinnert das Open-Source-Projekt stark an Microsoft Project, vor allem die GANTT-Chart-Präsentation von Meilensteinen und Aufgaben sowie Ressourcen hilft dabei, einen (visuellen) Überblick bei komplexen Vorhaben zu erhalten. Ein Projekt ist schnell angelegt, Diskussionen können mit Hilfe einer Agenda vor- und mit Protokollen nachbearbeitet und archiviert werden. Das integrierte Bugtracking ist sehr hilfreich, wenn Abstimmungsprozesse abgewickelt werden müssen. Während alle anderen Kandidaten in diesem Vergleich kaum auf technische Prozesse im Bereich der Programmierung eingehen, offeriert OpenProject neben dem bereits erwähnten Bugtracking auch ein Sprint Backlog für agile Entwicklung mit Hilfe von Scrum [goo.gl/amzj]. Neben diesen Features für Techniker gibt es zudem die Möglichkeit, News einzustellen und Umfragen durchzuführen. Wer diese oder andere Features lieber gar nicht erst im Menü angezeigt bekommen möchte, kann sie in der Projektkonfiguration deaktivieren. Analog zu Troi gibt es auch eine Art Intranet-Funktionalität in Form einer eigenen Seite, die leicht an die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden kann. Leider fehlt an dieser Stelle noch ein Import von externen Quellen, dennoch hilft diese Art Dashboard in laufenden Projekten dabei, den Überblick zu bewahren.

Ausbaufähig: Wer in OpenProject auch Angebote und Rechnungen verwalten möchte, kann dies nur über einen aktuell noch etwas umständlichen Weg. Auf der einen Seite können Sie Budgets erstellen und bearbeiten (inkl. Stundensätzen pro Mitarbeiter), auf der anderen Seite steht Ihnen eine Kostenauswertung zur Verfügung. Daraus erzeugen Sie dann manuell die entsprechenden Dokumente. Diese können Sie dann wiederum direkt im Projekt-Management-System verankern. Vieles ist noch verbesserungsfähig, doch die Basis wirkt vielversprechend. Durch die OpenProject Foundation sollen zukünftig – ähnlich wie beim Vorbild Mozilla – zusätzliche Ressourcen geschaffen und Kompetenzen gebündelt werden. Alles mit dem Ziel, OpenProject nachhaltig weiterzuentwickeln. Der Fokus liegt klar auf technischen Anforderungen, was auch dem Entwicklungsteam und der Historie geschuldet ist. Dennoch taugt das Open-Source-PMS auch für den Einsatz im Agenturalltag. Dann ist es eine selbst gehostete Alternative zu Basecamp, da der Schwerpunkt klar auf Zusammenarbeit und Kommunikation liegt.

Abb. 1: OpenProject bietet einen großen Funktionsumfang, vor allem für techniklastige Projekte

Abb. 2: Frei konfigurierbar und personalisierbar: Dashboard-Seite mit übersichtlicher Informationsanordnung in Containern

Abb. 3: Projektplanung auf visuelle Art und Weise – Gantt-Chart mit verschiedenen Einstell- und Filtermöglichkeiten

Abb. 4: Ob Stück- oder Personalkosten – mit OpenProject erfassen Sie Budgets bequem und flexibel

Revolver

Die Agentursoftware Revolver [goo.gl/nLHsI] ist eine Installationslösung, die vor allem auf Macs ausgelegt ist, aber auch unter Windows läuft. Bis zu 400 Benutzer können gleichzeitig mit Revolver im Netzwerk arbeiten. Der Server wird von den Clients automatisch erkannt, und in der Folge werden die Datenbestände mit den angeschlossenen Clients synchronisiert. Das Besondere ist die Tatsache, dass Revolver in einem gemischten Netzwerk aus Windows- und Mac-Rechnern problemlos funktioniert. Zudem können Sie auf einem Client zeitgleich der Server installieren, was aber nur für kleine Arbeitsgruppen mit maximal fünf angeschlossenen Clients sinnvoll ist. Doch Revolver wartet mit weiteren interessanten Features auf und überrascht mit einer simplen Oberfläche. Diese ist für Mac-Benutzer jedoch weitaus intuitiver als für Windows-Nutzer, da bestehende Usabi- lity-Konzepte von Apple hier übernommen bzw. fortgeführt wurden. Windows-User müssen diese erst erlernen, kommen dann aber schnell mit Revolver klar. Auch das Aktualisieren auf neue Versionen ist denkbar leicht: einfach die neueste Version herunterladen und installieren. Weitere Schritte sind nicht notwendig. Auf diese Weise ist Revolver, was die Wartung anbelangt, nahezu konkurrenzlos.

Anpassungsfähig: Während sich der Einstieg in Revolver auch ohne Anleitung recht simpel gestaltet, wächst die Komplexität mit zunehmenden Funktionswünschen recht schnell. Das betrifft vor allem einen der größten Vorteile der Software: das Erstellen von gestalteten Dokumentenvorlagen für Angebote, Rechnungen & Co. Millimetergenau lassen sich Elemente positionieren, sodass sich vor allem Designer über die stringente Einhaltung des Corporate Designs freuen werden. Leider ist dieser Prozess, in Revolver „Design-Modus“ genannt, nicht ganz so intuitiv, wie er vielleicht klingt. Kein anderes System im Vergleich kann mit einer ähnlichen Funktion aufwarten. Das, was Revolver hier bietet, ist eher mit dem Funktionsumfang von Textverarbeitungen vergleichbar. Mac-Nutzer werden eine gewisse Ähnlichkeit zu Pages erkennen, aber auch Word- oder LibreOffice-User dürften keine Probleme mit der Einarbeitung in den Design-Modus haben. Erst dann, wenn es an komplexere Funktionalitäten geht, wie beispielsweise mehrseitige Angebote, wird es schwieriger. Oder wenn es mal klemmt und bestimmte Felder nicht ausgegeben werden. Dann hilft in der Regel ein Blick in das Forum, wo eine gut informierte Community bei den meisten Problemstellungen helfen kann. Nicht so gut stellt sich der Support dar, wenngleich die Unzufriedenheit von Kunden in der Vergangenheit noch größer war als aktuell. Dennoch bleiben Anfragen immer wieder unbeantwortet, das zeigen Stimmen im Netz. Eine Zeitlang war dieses Thema auch im Forum zu finden, eine restriktive Kommunikationspolitik hält das Forum jedoch inzwischen weitestgehend frei von kritischen Stimmen. Alles in einer Software: Was an Revolver auffällt, ist, dass alle wesentlichen Bestandteile in eine Software integriert sind. Neben der gelungenen Verwaltung von Kontakten und Ressourcen (Teammitglieder) bietet die Software einen vollintegrierten Kalender sowie eine vollständige E-Mail-Lösung. Beides mag auf den ersten Blick fragwürdig erscheinen, und in der Tat mag es den einen oder anderen Nutzer geben, der seinem standardmäßigen Mail-Client nachtrauern wird. Aber sicher nur so lange, bis die entsprechende Person erfährt, dass Revolver es ermöglicht, Mails konkret zu Projekten zuzuordnen. Gerade bei umfangreicheren Projekten mit mehreren Mitarbeitern ist dies von Vorteil. Alle Informationen, ob Termine, Dokumente, Auswertungen und auch die Kommunikation, laufen in Revolver zusammen und können mit der schnellen und sehr effizienten Suche zu jedem Zeitpunkt aufgespürt werden. Auch die Report-Funktionalität ermöglicht es Ihnen, individuelle Auswertungen zu erstellen, wenngleich die Konfiguration – ebenso wie beim Gestalten von Designvorlagen – durchaus komplexerer Natur ist. Gerade weil Revolver so umfangreich ist, erfordert es gewisse Prozesse, die von Ihnen ein sorgfältiges Einarbeiten und Aufbereiten der Daten verlangen. Wer zuvor ohne eine derartige Agentursoftware gearbeitet hat, wird sich über die verlorene Flexibilität ärgern, denn ein „mal eben“ kennt Revolver nicht. Wenn Sie Angebote erstellen, führt das dazu, dass getrickst werden muss, um sich diese Flexibilität zu erarbeiten. Dafür lässt sich dann aus dem erstellten Angebot auch gleich eine Rechnung ableiten. Das spart im Praxisbetrieb Zeit und Nerven, zumal die integrierte Zeiterfassung nicht nur für einen Soll-Ist-Vergleich zwischen dem von Ihnen geplanten (angebotenen) Aufwand taugt, sondern Ihnen auch als Ausgangsbasis dient, wenn Sie Rechnungen stellen, die über den Angebotsumfang hinausgehen. Abgerundet wird das Software-Paket durch umfangreiche Import- und Exportmöglichkeiten sowie Schnittstellen zu führenden Buchhaltungslösungen. Über die integrierte DATEV-Schnittstelle lassen sich überdies alle Daten an nahezu jedes beliebige Buchhaltungsprogramm übergeben.

Für Einzelkämpfer und Teams: Revolver gibt es in verschiedenen Versionen. Einmal als Stand-alone-Lösung Revolver Solo oder als Revolver Office für mehrere Mitarbeiter. über Funktionsunterschiede und Preise gibt die Revolver-Webseite ausführlich Auskunft. Ab Anfang 2013 wird mit Revolver 9 eine komplett überarbeitete Version erscheinen, die noch intuitiver, leistungsfähiger und vor allem mobil bedienbar werden soll.

Abb. 5: Revolver ist gleichermaßen für Agenturen und Freelancer geeignet – unterschiedliche Versionen machen es möglich

Abb. 6: Übersichtlich und designorientiert präsentiert sich das Interface von Revolver, so wie hier im Bereich der Soll-/Ist-Kosten pro Projekt

Troi

Ähnlich wie Revolver ist Troi [troi.de] eine sehr umfassende Agentursoftware, die in Version 5 mit einem komplett neu gestalteten Interface aufwartet, das durch zahlreiche Icons auffällt, die leider nicht immer selbsterklärend sind. Das gilt jedoch nicht für das Interface, das sehr stringent und auch sehr einfach gehalten ist, aber dennoch eine leichte Bedienung ermöglicht. Vorausgesetzt, Sie wissen, dass in Troi nahezu alle wesentlichen Funktionen an Projekten hängen. Dazu zählen Kalkulationen, Angebote, Aufgaben, Rechnungen, Reporting sowie Dokumente. Vor allem das reichhaltige Angebot an Zusatzmodulen spricht für Troi. Neben einer kompletten Buchhaltungslösung können ein Vertriebsmodul, ein PR-Modul sowie zahlreiche weitere Features hinzugefügt werden. Dadurch lässt sich der Funktionsumfang von Troi sukzessive erweitern. Troi kann auf diese Weise mit Ihrem Unternehmen und den Anforderungen wachsen. Bereits in der Basisversion Troi Creation (bis 5 Mitarbeiter) sind alle wesentlichen Funktionen enthalten. Zusätzliche Module finden sich in den Versionen Troi Ability (bis 50 Mitarbeiter) und Troi Relation (bis 200 Mitarbeiter).

Strukturiert: Über die Navigation innerhalb von Projekten gibt Troi Ihnen quasi schon den Workflow vor. Das macht es selbst Neueinsteigern leicht, die Strukturen zu überblicken und schnell mit den verschiedenen Funktionen vertraut zu werden. Das Schreiben von Angeboten ist fast so flexibel wie bei einer manuellen Erstellung in Word & Co. Wenn Sie Rechnungen anfertigen möchten, finden Sie in Troi nahezu sämtliche Abrechnungsmodi, die in der Agenturszene bekannt sind. Wichtig ist, dass Sie zuvor alle Aufwände kalkuliert haben – aber das müssen Sie bereits tun, wenn Sie ein Angebot verfassen möchten. Hier wird deutlich, dass Troi Sie zu einem strukturierten Vorgehen anleitet. Gut für die lückenlose Dokumentation, aber in der Praxis mitunter etwas aufwendiger und damit zeitraubend. Spätestens wenn Sie Rechnungen und Auswertungen erstellen, ist jedoch eine deutliche Zeitersparnis spürbar. Vor allem dann, wenn Projekte umfangreicher sind. Etwas verwirrend sind die UI-Elemente angeordnet, die zum Teil springen und nie an einer Stelle auftauchen. Das gilt vor allem, wenn Sie Einzelpositionen hinzufügen: Der Hinzufügen-Button ist nie an der gleichen Stelle aufzufinden. Dadurch lässt sich Troi zuweilen nicht so leicht bedienen und zeigt, dass noch Raum vorhanden ist, um das PMS zu verbessern. Im Gegensatz zu allen anderen Tools gibt es kein frei zugängliches Forum. Dafür ist der Support sehr aufmerksam und reaktionsschnell. Von Intranet bis Mobileinsatz: Der Betrieb von Troi ist simpel, da es sich um eine gehostete Lösung handelt, also sozusagen einen Cloud-Service. Ein eigener Server ist demzufolge nicht notwendig. Technisch basiert Troi auf PHP und Smarty, doch damit kommen Sie als Nutzer zu keinem Zeitpunkt in Kontakt. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung ist die Zugänglichkeit aller Daten von überall, inzwischen sogar mit einer eigenständigen iPhone-App. Mit ihr können alle Daten eingesehen und bearbeitet werden – von überall. In gewisser Weise ist die App sogar fast die bessere Benutzeroberfläche, da sie ansprechender gestaltet und noch etwas stringenter daherkommt. Zudem können sämtliche Kontakte mit dem Adressbuch synchronisiert werden, was für Personen mit Reisetätigkeit durchaus von Vorteil sein kann. Doch auch für den stationären Einsatz bietet Troi durchaus interessante Funktionen, wie beispielsweise Troi Connect. Was im System als „Schwarzes Brett“ deklariert wird, geht in der Praxis weit darüber hinaus und stellt gewissermaßen eine Art Intranet-Funktionalität samt Social-Networking-Möglichkeiten bereit. Jeder Nutzer kann auf diese Weise favorisierte Blogs, RSS-Streams und vieles mehr importieren und in einer Art Cockpit darstellen. Alle Nutzer bleiben damit stets up to date, und überdies wird die Akzeptanz von Troi gestärkt, da es nicht nur als Projekt-Management-System, sondern auch als Kommunikationskanal eingesetzt wird. Troi 5.0 hat einen integrierten Kalender, der aber umständlich zu bedienen ist. Beispielsweise können sämtliche Details zu einem Termin erst angelegt werden, wenn der Termin einmal erstellt und dann erneut bearbeitet wurde. Gelungen ist hingegen die Möglichkeit, Termine als Kalenderdateien zu im- und exportieren. Damit ist der Transfer zu Outlook, iCal & Co. gesichert – beispielsweise für den Austausch mit Kunden oder Partnern, die keinen Zugriff auf Troi haben. Gar nicht möglich ist die Verwaltung von E-Mails, was dazu führt, dass hier eine Informationslücke entsteht. Ein Problem, das bis auf Basecamp und Revolver alle Lösungen haben.

Abb. 7: Troi wartet mit einer einfach bedienbaren Benutzeroberfläche auf und animiert zum strukturierten Arbeiten

Abb. 8: Neue Projekte sind schnell angelegt, individuelle Textbausteine erleichtern das Erstellen von Angeboten und Rechnungen

Basecamp

Das beliebteste Projekt-Management-System ist zweifelsohne Basecamp [basecamp. com]. Pro Woche entscheiden sich weltweit mehr als 5.000 Firmen für diese Lösung. Für 20 US-Dollar im Monat können bis zu 10 Projekte mit 3 GB Speicherplatz für Dateien gemanagt werden. Upgrades zu höheren Paketen sind ebenso jederzeit möglich wie das Aufkündigen des Vertrags. Das macht Basecamp ebenso zu einer flexiblen Lösung wie die Tatsache, dass es sich um einen webbasierten Service handelt. Dieses SaaS- oder Cloud-Prinzip wird konsequent durch zahlreiche Apps für verschiedene mobile Plattformen untermauert. Ebenso vielfältig ist die Erweiterbarkeit von Basecamp durch zusätzliche Module. So gibt es beispielsweise Erweiterungen, die eine Verbindung zwischen Basecamp und einer Dropbox herstellen sowie zahlreiche andere Module, die von Zeiterfassung bis hin zu Bugtracking mit automatischem Screenshot-Upload eine Vielzahl an Zusatzfunktionen bereitstellen. Seit 2010 gibt es Basecamp in deutscher Sprache, allerdings sind einige Module nur in englischer Sprache verfügbar, was eine gewisse Einschränkung bedeutet.

Übersichtlich: Basecamp bietet einen vergleichsweise überschaubaren Funktionsumfang in der Basisversion. Nicht möglich ist das Erstellen von Kalkulationen, Angeboten und Rechnungen direkt aus Basecamp heraus. Dafür können diese als Aufgaben oder Meilensteine angesetzt und über die Dateiverknüpfungsfunktion direkt aus Office heraus vernetzt werden. Ansonsten ist Basecamp trotz einiger Überarbeitungen am User Interface etwas in die Jahre gekommen. Es gibt eine Übersicht über alles, von offenen Diskussionen zum Projekt bis hin zu weitergeleiteten E-Mails, die wohl mancher eher als Cockpit-Seite (Dashboard) erwarten würde, aber diese Funktion suchen Sie in Basecamp vergeblich. Die Einstiegsseite zeigt eine Übersicht aller Projekte, und wie bereits in Troi sind alle weiteren Funktionalitäten am jeweiligen Projekt aufgehängt: Diskussionen, To-do-Listen, Dateien und Textdokumente. Hinzu kommen eine Kalenderfunktion und eine Zeitleiste, die sich automatisch anhand der Aktionen aller am Projekt beteiligten Nutzer als Zeitstrahl präsentiert. Einen Projektplan im eigentlichen Sinn bietet Basecamp nicht, allerdings lässt sich dies über die Kalenderfunktion realisieren, nur eben nicht als Zeitstrahl visualisieren – da leisten die anderen Programme im Vergleich deutlich bessere Dienste.

Benutzerfreundlich: Seine Stärken spielt Basecamp dann aus, wenn es um die eigentliche Projektarbeit geht. Beispielsweise können jederzeit externe Nutzer zum Projekt eingeladen werden und einzelne Funktionen ausführen oder einsehen. Zudem sind Bedienelemente fast immer genau da, wo Nutzer sie erwarten. Darin liegt wohl das eigentliche Geheimnis des Erfolges, denn die Einfachheit des Systems macht im Praxisalltag oftmals den Unterschied. Basecamp fordert kein spezifisches Vorgehen, wodurch der Aufwand zum Einstellen von Informationen minimal gehalten und der Verwaltungsaufwand letztlich minimiert wird. Mithilfe des Diskussionsmodus sind beispielsweise Absprachen mit Externen möglich. Das kann sich in Phasen der Layoutabstimmung als sehr hilfreich erweisen, da Basecamp automatisch auch per E-Mail alle am Prozess beteiligten Personen informiert. Antworten sind ebenfalls direkt aus dem Mailprogramm heraus möglich und werden in die Diskussion in Basecamp an der entsprechenden Stelle integriert. Dies ist nur ein Beispiel für die Simplizität, die als Gesamtkonzept hinter diesem Projekt-Management-System steckt.

Licht und Schatten: So gut sich Diskussionen, Abstimmungen, Bugtracking & Co. über Basecamp abwickeln lassen, so ärgerlich ist es dennoch, dass eine verlässliche Projektplanung samt -auswertung nicht möglich ist. Auch mit keiner bisher verfügbaren Erweiterung. Gleiches gilt auch für die Zeiterfassung oder die Abrechnung. Während die Zeiterfassung noch über Module [goo.gl/4ehoY] zu bewerkstelligen ist, kann eine Abrechnung leider nicht über Basecamp abgewickelt werden. Dazu sind dann Drittanbieter wie Invoicera, Harvest oder FreshBooks notwendig, die wiederum monatliche Kosten verursachen. Doch trotz dieser eingeschränkten Funktionalität ist Basecamp aufgrund der Einfachheit und der Professionalität sowie zahlreicher Schnittstellen für Im- und Export sowie Third-Party-Services eine gute Lösung. Vor allem Freelancer können mithilfe von Basecamp und einem Office-Paket Zeit und Nerven sparen. Im Vergleich zu den anderen vorgestellten Systemen ist Basecamp ohne das Lesen einer Hilfe oder eines Handbuchs rein durch Ausprobieren und Machen erlernbar.

Abb. 9: Basecamp ist das weltweit am häufigsten genutzte und damit das beliebteste Projekt-Management-System

Abb. 10: Übersichtlich, leicht zu erlernen und auf das Wesentliche reduziert: Benutzeroberfläche von Basecamp, hier mit Kalenderansicht

Fazit

Basecamp ist das am einfachsten zu bedienende System, offeriert auf der anderen Seite jedoch auch den geringsten Funktionsumfang. OpenProject braucht noch Zeit, um zu einem ernsthaften Konkurrenten in diesem Markt heranzuwachsen, bietet allerdings schon in der Betaphase viele nützliche Funktionen. Die Tatsache, dass es als einziges System im Vergleich kostenfrei verfügbar ist, ist ein dicker Pluspunkt, der gerade Start-ups oder kleinen Budgets entgegenkommen dürfte. Die beiden Alleskönner im Vergleich sind Troi und Revolver. Die Zielgruppe von Troi ist dabei deutlich weiter gefasst und beschränkt sich nicht nur auf Agenturen, was schon dem Workflow anzumerken ist. Auch Architekten und Berater kommen mit Troi gut zurecht und finden eine Lösung, die leicht zu bedienen und skalierbar ist. Revolver hingegen ist eine reine Agentursoftware vom Scheitel bis zur Sohle. Vor allem der Design-Modus und die Vollintegration von Kalender und E-Mail machen es in der Office-Version für Agenturen mit mehreren Mitarbeitern zu einem perfekten Werkzeug. Doch auch die Solo-Version bietet viel und kostet wenig. Wem die vorgestellten Systeme noch nicht reichen, der findet in der Infobox noch weitere Tools.

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